Viviane Sassen und Andreas Mühe | Deichtorhallen

Viviane Sassen

So richtig empty ist es auf meinen Bildern nun gerade nicht, das gebe ich zu. Eine kleine Gruppe von 20 Instagrammern und Bloggern wurde in die Deichtorhallen zu den Ausstellungen von Viviane Sassen und Andreas Mühe eingeladen (#emptydeichtorhallen). Ich war zu Beginn recht skeptisch, da ich mich für Fotografie (in der Kunst) eher weniger interessiere und mir die Namen natürlich auch nichts sagten. Anika meinte zu mir, dass mich das vielleicht doch interessieren könnte, da Viviane Sassen eine Modefotografin sei. Modefotografien gab es nicht viele, da das Thema “Umbra” (Schatten) lautet. Ein interessantes Thema wie ich durchaus finde. Dennoch fand ich keinen Zugang zu ihrer Ausstellung. Als ich dann noch den Raum betrat, der mich sofort an eine Installation von Olafur Eliasson erinnerte, war bei mir irgendwie Schluss.

Ein Bild entstand in Hamburg bei Viviane Sassen, das andere in Wien bei Olafur Eliasson. Wer weiß, welches wo entstand? 😉

Wobei, na gut, es gab durchaus ein oder zwei Objekte, da bin ich hängen geblieben, während Ingo Taubhorn, Kurator (Kurator? Oder nicht oder doch?) des Hauses, weiter über die Arbeiten von Viviane berichtete. Seine Art war ausgesprochen kurzweilig, also mussten die Werke schon gut sein, dass ich dort hängen geblieben bin. Aber seht selbst. Ich kann Stilleben ja durchaus etwas abgewinnen, aber so still wirkt es mit den Schatten gar nicht mehr. Und plötzlich war da doch etwas, das die Arbeiten von Ihr interessant machte. Aber kaum fand ich Gefallen, ging es schon in die nächste Ausstellung. Hach fies, erst so anfixen und dann keine Zeit mehr haben…

Andreas Mühe

Weiter ging es mit Andreas Mühe, noch so ein Fotografenname. Sagte mir nix. Oder vielleicht doch? Ich gebe zu, ich hatte vor ein paar Wochen die Bildzeitung in der Hand, in der der Tod von Helmut Kohl groß thematisiert wurde. Auf der Rückseite war ein wunderschönes Foto: Kohl im Rollstuhl vor dem Brandenburger Tor. Ein Foto von Andreas Mühe. Ach! Also kennt man vielleicht doch seine Werke, nur nicht seinen Namen. Tja, wundert mich nicht, bei meinem schlechten Namensgedächtnis. Ein großer Raum, eine Wand voll mit Fotografien – Petersburger Hängung. Das bedeutet, Bild an Bild, ohne Wandtexte oder nervige Schildchen, die einem etwas erklären wollen. Bei diesem Künstler ist es meines Erachtens auch völlig überflüssig. Die Werke sprechen für sich. Sie sind imposant, erschlagen einen regelrecht mit seiner Wucht. Jedes Werk allein ist unfassbar – präzise, genau, inszeniert, dunkel. Licht und Schatten spielen auch bei Mühe eine wichtige Rolle, jeder der das Bild von Kohl vor Augen hat, kann das vermutlich bestätigen.

Mir haben die Werke von Mühe deutlich besser gefallen. Sie waren eindeutig, ich habe sie besser verstanden, sie waren für mich leichter zugänglich. Denn auch in der Sassen Ausstellung wurde auf Einführungstexte bewusst verzichtet. Ingo Taubhorn erklärte, dass man sich mit dem Objekt auseinandersetzen soll und nicht lesen soll. Ich bin da ja immer ein wenig hin und her gerissen. Das mag bei der Fotografie und Gegenwartskunst vielleicht funktionieren, aber wenn ich eine Impressionisten-Ausstellung oder eine Geschichtsausstellung besuche, erwarte ich Texte! Wenn nicht, bin ich beleidigt. Dann fasel ich auch hin und wieder etwas von dem seltsamen Selbstverständnis der Kuratoren. Folglich bin ich bei dieser Aussage, dass die Kunst im Mittelpunkt steht, hin und her gerissen. Ja! Sie steht im Mittelpunkt, keine Frage. Aber man muss auf irgendeine Weise auch ihre Geschichte erfahren. Und wie soll ich die erfahren, wenn nichts vom Museum zur Verfügung gestellt wird? So überspitzt wie ich es jetzt darstelle, meinte es Herr Taubhorn wohl nicht. Informationsplattformen bieten unter anderem auch die Webseiten der Museen oder die Social Media Kanäle. Instagram ist aufgrund der Möglichkeit viel Text zu posten, ein willkommenes Medium, um die Geschichten eines Objektes näher zu erläutern.

Jetzt sitze ich im Zug, denke über den Abend in den Deichtorhallen nach und tatsächlich, die Werke von Mühe sind deutlich intensiver bei mir hängen geblieben. Die Porträtaufnahmen und die Blicke der Abgelichteten verfolgen mich noch immer ein wenig, insbesondere das Foto von Angela Merkel, die uns während des Abends beobachtet hat. Unheimlich! Dann schwirren noch Worte und Assoziationen in meinem Kopf herum: Tannenbäume, Nazis, ein Hochsitz, ein Kronleuchter, die Wandfarbe blau, Macht, Politik, eindringlich. Ich lasse die Worte und Assoziationen jetzt einfach mal davonziehen.

Wer die Ausstellungen noch nicht gesehen hat, sollte bis zum 20. August 2017 das Haus der Photographie in den Deichtorhallen aufsuchen!

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