#exhibition | Food Revolution 5.0 

Wenn man Ausstellungen besucht, verlässt man oftmals die Räumlichkeiten mit irgendeinem oder vielleicht gleich mehreren Gefühlen: verwirrt, irritiert, verärgert, wütend, zufrieden, glücklich, begeistert, euphorisiert oder vielleicht einfach nur fragend. Ich glaube, ich habe bei meinen zahlreichen Ausstellungsbesuchen schon alle Gefühlslagen mitgemacht. Verärgert über eine schlechte Ausstellung mit viel zu hohem Eintrittspreis, verwirrt über das, was gezeigt wird (und so gar nicht dem Titel entspricht), wütend über eine zu kleine Ausstellung, glücklich, weil ich mein Lieblingsbild mal wieder gesehen habe, euphorisiert, weil ich eine tolle Ausstellung erlebt habe (ist mir bislang so 2-3x passiert) oder vielleicht auch fragend, weil es ein Thema war, das mich berührt hat. Dies geschah zuletzt in der Ausstellung “Fast Fashion” im Museum für Kunst und Gewerbe. Nun hat das Museum es wieder geschafft, ein alltägliches Thema museumstauglich zu inszenieren und mich mit Fragen zu hinterlassen.

Die aktuelle Ausstellung heißt “Food Revolution 5.0”. Warum Food Revolution und warum 5.0? Damit beginnen direkt die ersten Fragen. Das Museum “beschäftigt sich mit einer der dringlichsten Fragen des 21. Jahrhunderts: Wie sieht die Zukunft der Ernährung aus?”, heißt es in der Pressemitteilung. Neben dem aktuellen Zustand unserer Esskultur, stellen 30 internationale Designer ihre zukunftsweisenden Visionen vor.

Heute startet die Museumweek (#museumweek) und der Hashtag des Tages lautet #foodMW. Es ist also an der Zeit, dass ich endlich über diese Ausstellung schreibe, die ich vor über zwei Wochen besucht habe. Denn neben bunten Pop-Art Postern von Keith Haring geht es auch ins Eingemachte, wortwörtlich.

Einer von neun Menschen hungert!

In unserer westlichen Kultur ist es üblich, an jeder Ecke Essen zu bekommen. Imbissbuden zieren oftmals das Stadtbild, passend dazu ruft das Städel auf, die Trinkhallen bei Instagram zu posten (#STAEDELxTRINKHALLE). Lebensmittel sind ein selbstverständlicher Bestandteil unserer Kultur. Kaum einer denkt darüber nach, wie gut es uns eigentlich geht. Wir regen uns im besten Falle darüber auf, wenn wir eine bestimmte Obstsorte nicht bekommen. Wir leben im Überfluss und verschwenden Lebensmittel in unglaublichen Dimensionen (1,3 Millionen Tonnen jährlich laut Welternährungsorganisation). Es ist Zeit einen Moment inne zu halten. Darüber nachzudenken wie gut es uns wirklich geht. Und wenn das nicht reicht, wird es mit dem Begriff “Food Design” ad absurdum geführt. Unser Essen wird designt. Es beginnt mit den Herstellungsverfahren und endet damit wie es auf unserem Teller aussieht. Die Ausstellung streift viele Themen, wirft ethische Fragen auf und lässt mich mit einer gewissen Ratlosigkeit zurück. Sollte eine Food Revolution dabei helfen? Es werden 30 Konzepte vorgestellt, wie Veränderungen eintreten könnten. “Es sind Statements, die als Best Practice Vorschläge für das Hier und Jetzt funktionieren.”

Mich begeistert die Ausstellung, auch wenn man viel lesen muss. Aber das kann man sich schon im Vorfeld denken, denn die Ausstellung regt zum Nachdenken an und vielleicht auch zum Mitmachen. Wenn Ihr die Ausstellung besucht, nehmt unbedingt das kleine Heft mit, welches in der Ausstellung ausliegt. Es ist eigentlich ein Guide für Kinder und Familien, aber ich würde das gar nicht so eng sehen, ich finde das Heft, das es auf deutsch und englisch gibt, einfach nur großartig! Es enthält Anleitungen zum Basteln (wie zum Beispiel: Biomüll kleinschneiden, in eine Plastikflasche geben und oben mit einem Luftballon verschließen). Es sind also sehr einfache Sachen zum Mitmachen.

Natürlich sollte man viel lesen in der Ausstellung, aber es gibt auch viel zum Gucken und viele, viele Fragen! Mir gefällt die Ausstellung, weil bei mir etwas passiert ist, ich stelle mir selbst viele Fragen: Muss ich wirklich so viel essen? Darf es auch etwas weniger sein? Schaffe ich es, weniger Lebensmittel zu entsorgen? Warum haben wir so viele Lebensmittel und andere so wenig? Irgendwie auch gerade sehr passend, dass der G20 Gipfel in Hamburg stattfindet, denn Frau Merkel möchte ja das Thema Afrika in den Vordergrund stellen (damit im weiteren Sinne verbunden die Bekämpfung gegen den Hunger, wobei sie das Thema Investitionen mehr in den Vordergrund rücken wird). Aber egal, wie ihr merkt, arbeitet mein Gehirn noch immer… 😉

Fazit: Viel zu lesen, regt zum Nachdenken an, bewegt, stellt viele Fragen und regt dazu an, weitere Fragen zu stellen.

#museum | Museum für Kunst und Gewerbe

#exhibition | Food Revolution 5.0

#until | 29 October 2017

Aktuell ist im Museum für Kunst und Gewerbe auch die Ausstellung über Keith Haring zu sehen. Mehr dazu hier.

We love to read your feedback!

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s