Peter Saul Ausstellungsansicht

Peter Saul in der Schirn Frankfurt

Vor einer Woche war ich endlich mal wieder im Museum. Die Schirn Kunsthalle Frankfurt hatte mal wieder zu einem MeetUp eingeladen und ich hab mich sehr gefreut, wieder dabei sein zu dürfen. Ich schätze es ist der Unbekanntheit des Malers Peter Saul geschuldet, das wir diesmal eine sehr kleine, feine Runde waren. Ehrlich gesagt, hatte ich auch noch nie vom ihm gehört, aber die knallbunten Bilder auf der Webseite des Museums machten mich neugierig.

Unsere kleine Gruppe, die die perfekte Größe für solche eine Veranstaltung hatte, bekam zunächst eine Einführung in die Planung und den Aufbau der Ausstellung von Maria Sitte, kuratorische Assistentin der Ausstellung. Ich muss gestehen, dass meine Aufmerksamkeit da kurz abgeschweicht ist, da ich schon so oft vor Modellen stand und die Kunst selbst viel interessanter finde, als die Planung. Da bin ich ein Banause. Nichtsdestotrotz gehört mein ganzer Respekt all den engagierten Ausstellungsmachern da draußen, die ihr ganzes Herzblut in unser aller Kunstgenuss stecken und dafür sorgen, dass das geistige Leben bunt und spannend bleibt.

„Seit seinen Anfängen in den frühen 1960er-Jahren sind der Humor und die Überschreitung die Waffen, die Peter Saul in seinen Arbeiten respektlos anwendet. Jahre später wurde dies unter dem Label Bad Painting eine zentrale Strategie der Gegenwartskunst. Als Gegner der Political Correctness instrumentiert Saul sein Œuvre als kraftvollen Amoklauf gegen die Regeln, wie ein modernes Kunstwerk zu sein hat. Und als artists’ artist hat er eine jüngere Generation USamerikanischer Künstler damit maßgeblich beeinflusst.“

(Martina Weinhart, Kuratorin der Schirn)

Nach der Einführung in die Planung haben wir eine Führung von Ausstellungskuratorin Martina Weinhart bekommen. Drei Jahre hat sie an der Ausstellung gearbeitet und den Künstler unter anderem in seinem amerikanischen Atelier besucht. Ihre Begeisterung war durchaus ansteckend. Nun bin ich ohnehin ein Fan seit ich die von ihr kuratierte Kienholz-Ausstellung 2011 gesehen habe.

Peter Saul Ausstellungsansicht

Die Schirn präsentiert also nun vom 2. Juni bis 3. September 2017 eine umfassende Überblicksausstellung zum Werk des US-amerikanischen Malers Peter Saul (*1934 in San Francisco). Kaum zu fassen, dass man ihn hier nicht kennt, ist seine Kunst doch nicht nur hochpolitisch, sondern auch voll von ganz viel schwarzem Humor. Stilistisch irgendwo zwischen Pop Art, Surrealismus, Abstraktem Expressionismus, Chicago Imaginism, San Francisco Funk und Cartoon Culture zeigen seine großformatigen Werke hochkomplexe Themen aus (amerikanischer) Politik und Lebenswirklichkeit. Immer wieder hat er aber auch sehr humoristische Selbstbildnisse geschaffen.

Abseits von großen künstlerischen Schulen hat Saul ein äußerst eigenwilliges Œuvre entwickelt. Nie wirklich zu einer Gruppe oder Bewegung gehörend, malt er seit mehr als 50 Jahren auf seine Weise, als Querdenker, gegen die wechselnden künstlerischen Moden an. Sauls Bilder erzählen Geschichten, neigen zur Übertreibung und wehren sich gegen eindeutige Lesarten.

Die Malerei von Peter Saul entspringt einer der wohl spannendsten Phasen der US-amerikanischen Kunstgeschichte. Mitte der 1950er-Jahre brach eine junge Künstlergeneration mit den Regeln und Werten des Abstrakten Expressionismus. Es wurde eine neue Parallele von Kunst und Leben entdeckt, in der das traditionelle Kunstwerk ausgedient hatte. In der Beschäftigung mit dem Alltag ging es darum, eine bürgerliche Vorstellung von Originalität und Einzigartigkeit zurückzuweisen. Pop etablierte sich als Leitkultur, wurde zu einem globalen Phänomen und fand mit Andy Warhol, Roy Lichtenstein, Jaspar Johns und Robert Rauschenberg seine bekanntesten Vertreter. Peter Sauls Bilder werden häufig der Pop Art zugeordnet. Trotz der motivischen Verwandtschaft und dem gemeinsamen Interesse an der Alltagskultur, die seine Arbeiten mit der Pop Art verbinden, grenzen sie sich aber auch deutlich davon ab.

Ganz groß sind definitiv die Werke in denen er höchst zornig den American Dream persifliert und anprangert. Da begegnet einem Ronald Reagan genauso wie Andy Warhol – beide konnte er offensichtlich überhaupt nicht leiden. In der Tat ist sein Werk auch höchst sonderbar, da es teilweise eher wie ein psychedelisches, völlig überdrehtes Comic wirkt. Doch die Details sind so grausam und vielschichtig, dass die Bilder mich wirklich nachhaltig beschäftigt haben. Man muss allerdings Zeit mitbringen und sich wirklich drauf einlassen. Zum mal eben Durchschlendern ist diese Ausstellung definitiv nicht geeignet.

Die Schirn versammelt rund 60 Arbeiten, darunter wegweisende Werkgruppen, wie seine Ice Box Paintings, seine Comic-Narrationen und seine Vietnam-Bilder aus den 1950er- und 1960er-Jahren (als einer der ersten Künstler überhaupt thematisierte er das Grauen dieses Krieges), noch nie ausgestellte Zeichnungen sowie ausgewählte späte Arbeiten der 1980er- bis 2000er-Jahre. Das jüngste ist ein Bild von George W. Bush in Guantanamo aus dem Jahr 2008. Neben Politikern und Künstlern begegnet man auch immer wieder bekannten, fiktiven Helden wie Superman, Micky Mouse und Donald Duck, die Saul stellvertretend für den Durchschnittamerikaner auseinandernimmt und dekonstruiert.

Die Bilder von Peter Saul haben mich sehr begeistert, immer wieder überrascht und sehr zum Nachdenken angeregt. Einen Besuch kann ich nur empfehlen.

#exhibition | Peter Saul

#museum | Schirn Kunsthalle Frankfurt

#duration | 2.6. – 3.9.2017

 

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